Grabrede für das Freie Internet – 30.03.2019 – von Alex

„Mit dem Tod habe ich nichts zu schaffen. Bin ich, ist er nicht. Ist er, bin ich nicht.“ Das sagte bereits Epikur im 3. Jahrhundert vor Christus. Heute scheint uns dieser Moment näher denn je, denn unser guter Freund, das Freie Internet, ist von uns gegangen.

Wenn wir weinten, hast du uns zum Lachen gebracht, wenn wir einsam waren, warst du für uns da. Als wir deine Hilfe brauchten, zeigtest du uns in wertvollen Videos was wir benötigen. Beraten hast du uns bei unserer Kleidung und unseren Pflegeprodukten. Mit Memes zeigtest du uns eine unendliche Welt von Parodie, Pastiche und Ironie.

Deine Spezialität waren Katzenvideos, mit denen du uns unsere Nächte versüßt hast. Du brachtest uns das Sprechen vieler Sprachen bei und vernetztes uns mit unseren Liebsten, die weit, weit entfernt wohnten.

Du wurdest aber auch belogen, von Menschen, die es nicht besser wussten. Erniedrigt und verleumdet wurdest du von deinen Kritikern, bis in das Grab hinein. Über deinen Kopf hinweg, beleidigten und bedrohten sich Menschen, weil du so geduldig mit Ihnen warst und alles erlaubtest. Gestohlen hast du mit uns an einigen Tagen, als wir arm waren und wir uns unsere Lieblings CD nicht kaufen konnten, bis du uns Netflix und Spotify geschenkt hast.

Du gebarst wundervolle Sterne am YouTube Himmel oder wo du sie auch immer gebären wolltest. Deine Freiheit und Liebe, machte es zu einem wundervollen Ort, wo wir unsere Idole lieben oder hassen konnten. Auch uns selbst, machtest du groß und ließest uns all unsere Worte in die Welt hinausschreien. Durch deine Freiheit, wurden Städte gerettet und Regierungen zerstört. Durch dich wurden Menschen versklavt oder gerettet.

Durch deine Weisheit profitierten Schüler, Studenten und Professoren. Durch dich, konnten sie lernen und an deinem Wissen profitieren. Durch dich, wurde das Wissen von Mensch zu Mensch weitergegeben, damit sie nicht in Vergessenheit geraten. Du vereintest sie alle, ob Lehrer oder Schüler, und ließest sie voneinander lernen. Du bewahrtest alle Geheimnisse dieser Welt, manchmal versteckt, manchmal offenbarstest du uns sie.

Nun tragen wir dich nach 50 Jahren zu Grabe. Getötet von einer Gruppe Menschen, die nicht besser wussten, wie sie mit dir umzugehen haben. Diese Menschen haben dich immer schon argwöhnisch betrachtet, bis sie diese grausame Tat an dir vollbracht haben. Sie kannten dich nicht so gut wie wir und deswegen wussten sie nicht was sie tun, als sie dich wie Judas an die Römer verkauften, auspeitschten und am Ende vor unseren Augen an das Kreuz schlugen. Uns selbst trieben sie hinaus vor die Tore Jerusalems, beschimpft, belogen und verraten.

Nun haben wir dich von deinem Kreuze abgenommen. Und auch jetzt hoffen wir, dass du auferstehen wirst wie Lazarus und das Grab am dritten Tage leer ist, wie bei unserem Herrn. Unsere letzte Hoffnung ist noch nicht entschwunden, obwohl du so vor uns liegst. Wenn du nun vor die Himmelstore steigst, dann grüße von uns die Meinungsfreiheit, denn ein Teil von ihr wurde mit dir begraben. Wir werden dich mit ganzen Herzen vermissen und den Kindern der Zukunft von unserer gemeinsamen Zeit mit dir erzählen.

Alex

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