Tagebuch eines Streamers

edar - pixabay

Die ersten paar Wochen des Streamens sind nun rum und ich möchte ein kleines Fazit ziehen. Vorweg: Es ist ein Auf und Ab der Gefühle. Es gibt Tage, die sind die reinste Katastrophe, an deren Tagen läuft es wie am Schnürchen.

Die ersten Wochen

Ich (Theophil-Nerds aka Alex) musste mich erstmal in den Stream hineinfinden. Nach nur einer halben Stunde war ich unglaublich erschöpft und müde, da das Reden und konzentrieren ungewohnt ist. Gleichzeitig zu spielen, den Chat zu beobachten und zu reden, das machte ich bisher nie.

Noch fehlen die Zuschauer. Eine/r kommt mal vorbei und geht wieder. Einige „lurken“ nur und schreiben nicht. Meist sitzt man dann doch alleine da und versucht das Beste. Man ist aber irgendwie einsam und verliert nach und nach die Motivation. Hier können sich viele Streamer, denke ich, hineinfühlen.

Zugegeben: Ich hatte auch sehr viel Glück am Anfang. Durch meinen langjährigen Freund Purger23 aka Maurice hatte ich irgendwie die Motivation erhalten. Und gleichzeitig brachte er zwei weitere Zuschauer mit, Otter und MyMrMush. Damit waren wir zu viert. Es folgte ein gemeinsamer Rocket League Spieleabend. Wir haben gelacht, geweint, uns fertig gemacht. Es war einfach richtig geil. Ich hatte selten so viel Spaß in einem 2 gegen 2 mit 3 Jungs, die ich echt gern gewonnen habe. Das erste Mal habe ich gelernt, warum so viele Twitcher zu zweit oder gar zu viert spielen: Es macht Spaß und man ist nicht alleine. Man erhält hier die volle Motivation. Plötzlich schaut man nicht mehr auf die 0 Zuschauer, sondern auf die 4 Mitspieler. Früh lernte ich also: Ignorier diese 0. Irgendwann steht da eine 5 und selbst da ignoriere sie. Achte nur ab und zu auf den Chat, damit du nicht unhöflich bist und jeden begrüßen kannst!

Ich hätte nicht gedacht, dass ein einziger schreibender Zuschauer so einen Kick geben kann. Nachdem ich die ersten zwei Wochen reflektiert hatte, merkte ich, wie wichtig die Zuschauer für meine Motivation waren. An Tagen wo Keiner da war, saß ich vor dem Rechner und habe irgendwann gesagt „ok das wars“. Irgendwann war auch meine Motivation erschöpft.

Man probierte dann hier mal mit dem Layout rum oder das Mikrofon richtig einzustellen. Das brauchte alles Zeit. Ich habe nicht einmal geschafft anständig den Aufnahmebutton zu drücken ohne auf eine Liste zu schauen. Es war gar nicht so einfach, es war alles neu. Ich bin aber froh, dass einige Zuschauer mir dann geholfen haben.

Dann hab ich mal geguckt, was andere Streamer so machen. Viele waren (leider) unhöflich oder die Community hat nicht zu mir gepasst. Zum Glück ist Twitch sehr groß. Dabei bin ich noch auf einen Streamer gestoßen, den ich wirklich toll fand: Linubaer. Der Mann mit der Bärenstimme, der sich nie vor der Cam zeigt. Ich möchte ihn erwähnen, weil wir eine kleine Story zusammen hatten: Er spielte die US-Version von Wolfenstein, leider mit verbotenem Inhalt. Da warnte ich ihn, weil ich Symbole sah, die in Deutschland nicht erlaubt sind. Er hatte sich zwar Sorgen gemacht, aber hinter der tiefen Bärenstimme bemerkte ich plötzlich diesen Menschen „linubear“. Dieser Moment zeigte mir, dass hinter dem Mikrofon ein Mensch sitzt, der mindestens genauso seine Gefühle hat wie ich. Zuvor hatte ich einen künstlichen Eindruck von ihm. Aber ab diesem Moment war das Eis zwischen uns geborchen!

Die ersten bekannten Zuschauer

Nach wenigen Wochen schon kam eine neue Zuschauerin und Streamerin rein, xxdarkmortisxx. Die hatte auch gleich einen weiteren Streamer angezogen. Leider habe ich mit der Streamerin nicht so einen guten Kontakt entwickelt wie mit dem neuen Streamer. Heute ist er Teil von uns Theophil-Nerds. Jiglive aka Justin hatte sich damals in den Stream geschlichen und wir unterhielten uns irgendwann länger auf Discord, wir spielten Pubg zusammen und wir trafen uns sogar auf der Gamescom.

Seither besuchen wir uns gegenseitig in unseren Streams, schreiben miteinander, hören uns im Discord. Er hatte mir sogar geholfen meinen Stream aufzuhübschen und die Einstellungen richtig festzulegen. Ohne seine Hilfe wäre das nicht möglich gewesen.

Das schöne: Er vermittelt mir nicht das Gefühl, dass ich alleine auf Twitch meine Streams mache. Dieses Gefühl wenn er da ist, motiviert mich weiterzumachen. Wenn dann alle regulären Zuschauer da sind, reißen wir fast die 10 Zuschauer Marke.

Um ein negatives Thema aufzugreifen: Ich stand kurz bevor meinen Minecraft Stream auf Youtube als Lets Play anzubieten und nicht mehr als Stream. Warum? Ich habe das Gefühl, dass Minecraft viele kleine und unreife Kinder anzieht. An einem Tag kamen nur nervende Kinder in den Stream und wollten stören. Das hat keinen Spaß gemacht. Irgendwie jedoch, habe ich dem Ganzen eine zweite Chance gegeben und die Kinder wurden nach und nach geblockt. Gerade während der Schulzeit waren häufiger Erwachsene als Kinder im Stream. Die Lektion des Tages war also, sich nicht von diesen Trollen entmutigen zu lassen, sondern einfach weiter zu machen!

Übrigens hatten Otter und ich auch ein sehr tolles Gespräch gehabt, was mich auch zu diesem Text hier inspiriert hat. Er zeigte großes Interesse daran, wie ich mich eigentlich gerade im Stream fühle oder wie ich das Streamen generell bewerte. Das Gespräch zeigte mir auch, dass Zuschauer uns Streamer nicht nur als „Mach mal Spiel“-Unterhalter sehen, sondern auch wirklich an uns interessiert sind.

Eine weitere Begegnung hatte ich in einem Rocket League Stream. Ich hatte einen wirklich guten Rocket League Spieler getroffen, mit dem ich dann ein 1 gegen 1 üben durfte. Er zeigte mir Tricks und ich lernte sehr viel von ihm. Es machte unglaublich Spaß und auch wenn schaba Werder Bremen Fan ist, hab ich den Abend mit ihm wirklich sehr genossen! Durch die Streams knüpft man auch unglaublich viele Kontakte in ganz Deutschland und vielleicht sogar der ganzen Welt. Das ist einer der großen Vorteile am Streamen.

Dann kam der vermeintliche 24 Stunden Stream mit Jiglive. Zwar hat er länger gemacht als ich, aber nach 12 Stunden gingen bei mir schon die Lichter aus. Diese Erfahrung war es wert gewesen. Nun kann ich behaupten, dass ich so etwas abgefahrenes wie einen 12 Stunden Stream gemacht habe.

Der Stand heute

Erstmal erhielt ich die letzten Tage unerwarteten Besuch. Ein Student, welcher mit mir zusammen studiert hat und später Seminare besuchte die ich leitete, war im Stream aufgetaucht. Es war total spannend, dass jemand der mich persönlich kennt, mit dabei ist! Das Schöne – er ist Stammzuschauer!

Dann kam der erste Host mit 7 Leuten rein. Danke erstmal dafür an FlyHummingbird. Erstmal bin ich dankbar, dass es einen etwas größeren Streamer gibt, der das gut findet, was ich mache. Außerdem ist er, so wie ich ihn aus einigen Chats kennengelernt habe, ein total korrekter Typ. Ich hatte ihm versprochen in seinen Stream reinzuschauen, leider habe ich nur die Wiederholung gesehen. Aber was ich gesehen habe, hatte sehr viel Spaß gemacht!

Auch ich habe einen Streamer gefunden, an dem ich mir einen Narren gefressen habe. Stillvoll zu schauen wie er Kingdom Come spielt, macht mir Spaß. Er ist total offen und hat mich sehr schnell willkommen geheißen. Er hat eine unglaublich ruhige Art. Das coole: Er ist Footballspieler. Das habe ich herausgefunden als er Theophil-Nerds auf Facebook, Twitter und Instagram geliked hat und ich mir daraufhin sein Profil angeschaut habe. Die Gespräche in den zwei Streams waren wirklich sehr bereichernd. Hoffen wir mal, dass wir den Kontakt auch außerhalb seines Steams noch ausweiten können!

Tja bei mir stehen noch nicht die 50 Follower, die ich mir eigentlich erwünscht hatte, aber kommt Zeit kommt Rat. Mittlerweile interessiert mich auch nicht mehr, ob ich 50 oder 200 Follows habe, sondern ob mir der Stream Spaß macht. Die Motivation steigt nach ca. 1 1/2 Monaten von alleine mit jedem Stream. Irgendwie ist dieses Tief vorerst weg. Außerdem sollte bei einem Streamer geschrieben werden, wenn man ihn mag. Das zeigt dem Streamer, dass er nicht alleine ist. Ein leerer Chat ist als ob man sich in einem Zimmer gemeinsam anschweigt – man geht unzufrieden wieder. Wenn man viel schreibt, erzeugt man eine Bindung zwischen Zuschauer und Streamer. Schließlich ist der Zuschauer am Streamer interessiert und der Streamer am Zuschauer!

Jedoch ist das Streamen anders, als wenn man sich gegenübersitzen würde. Es ist unpersönlicher, anonymer. Für den Streamer sind die Zuschauer als aller erstes eine Zahl, danach eine Person, wenn der Zuschauer mit dem Streamer überhaupt spricht. Umgekehrt ist der Streamer für den Zuschauer nicht immer erreichbar, irgendwie „weit entfernt“. Diese Anonymität kann deswegen auch nur im Chat aufgelöst werden, indem man miteinander kommuniziert und sich kennenlernt.

Purger23 und ich haben und heute über das Streamen unterhalten. Er meinte, dass es irgendwie anstrengend geworden ist. Er weiß nicht wie er weiter machen soll. Ich verstehe ihn, er streamt etwas seltener und hat weniger Zuschauer. Manchmal sind auch etwas nervigere dabei. Außerdem nörgeln viele über Destiny 2 – er spielt zurzeit das neue DLC. Trotzdem versuchen wir alle zusammenzuhalten und im Stream dabei zu sein. Wir schenken jedem Motivation der ein (Theophil-)Nerd ist!

Alles in einem macht mir das Streamen richtig Spaß. Es motiviert mich immer mehr Zuschauer zu haben und bekannte Gesichter zu treffen. Außerdem habe ich das Gefühl, dass die Mitglieder von Theophil-Nerds mehr werden. Die Ziele reifen heran eine Community von Streamern zu bilden, die sich gegenseitig unterstützen, mit Charakteren die sich gegenseitig leiden können. Es geht mir mehr, darum eine Art Medienverband zu gründen, damit auch kleine Künstler, seien es Designer, Streamer, Musiker oder wer auch immer zusammenfinden. Denn die Motivation die aus so einem Netzwerk kommt, ist unglaublich groß. Alleine versackt man irgendwann. Deswegen halten wir alle Augen offen nach neuen Talenten. Und zusammen sind wir stark!


Hier kommt ihr zu den erwähnten Kanälen. Stattet doch allen ein Besuch ab und lasst ein Follow da!

xxdarkmortisxx
stillvoll
flyhummingbird
linubear
schaba

Nicht-Streamer aber immer mit dabei:

Otter

Wir Theophil-Nerds:

Theophil-Nerds (Alexander)
Purger23 (Maurice)
Jiglive (Justin)
MyMrMush


Alexander

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