Marvel’s Black Panther: Eine überbewertete Revolution?

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Black Panther, der erste Schwarze Comicsuperheld feierte nun seinen ersten eigenen Kinofilm und genoss schon vor Release so viel Vorfreude, wie keine Marvel-Produktion zuvor. In den Kritiken ist vom Beginn einer neuen Ära der Superheldenfilme die Rede, einem Meilenstein des Schwarzen Kinos, gar einer Revolution. Ein Beitrag dazu, wo der Film glänzt, und wo er nicht revolutionär genug war.

Wir sind Könige

Der Film handelt von T“Challa (Chadwick Boseman), König des fiktiven Staates Wakanda im Herzen Afrikas, der nebenbei auch als Superheld Black Panther für Gerechtigkeit sorgt. Er ist ein guter Herrscher, charismatisch und intelligent, und sein Königreich genießt die am höchsten entwickelste Technologie der ganzen Welt. Wakanda repräsentiert all das, wovon Afrofuturisten und Afrozentristen immer geträumt haben: Ein von Kolonialherren unberührtes Pan-Afrika, das sich zu seinem vollen Potenzial entfalten konnte und stolze Könige, reiche Traditionen und starke, unabhängige Frauen hervorbringt. Die Repräsentation von Frauen ist eine der Glanzleistungen dieses Films. Da sind Frauen sowohl in der Forschung als auch im Militär führend. An der Stelle sollte man auch die Macher für ihre Recherche würdigen. Die Armee Wakandas ist der sogenannten “Amazonen-Armee“ des Königreichs Dahomey, im Gebiet des heutigen Benin, nachempfunden. Darüber hinaus werden verschiedene Stämme gezeigt, die verschiedene Kulturen Afrikas reflektieren. Die Wakandianer sprechen eine reale Sprache, Xhosa, miteinander. Es ist nachvollziehbar, dass dieser Film so eine starke Wirkung auf das Afroamerikanische Publikum hat, denn abgesehen von Genre-typischen Übertreibungen, ist dieses Afrika nicht nur reine Fiktion. Aber leider haben auch die Schattenseiten reale Vorbilder.

Nach außen hin präsentiert sich Wakanda als ein wirtschaftlich schwaches und technologisch rückschrittliches Land. Durch eine perfekte Medienmanipulation und durch eine Tarnwand isoliert, möchte Wakanda Sicherheit und Frieden im Land garantieren. Das hat Tradition und T’Challa sagt selbst, dass Fremde nur Unruhe mit sich bringen. Es ist eine afrozentristische Prämisse, dass „das Fremde nicht für das Eigene bestimmt“ sei. Die Gesellschaft ist eindeutig unterteilt in Wakandianer und Außenseiter. Auch die Gesellschaft im innern ist tribal aufgebaut, wobei eines der Völker besonders in der Kritik steht: Einerseits durch die sehr übertriebene Assoziation mit Primaten, andererseits durch ihre Verehrung des Affengottes Hanuman, welcher allerdings aus der asiatischen Mythologie stammt . Ein afrikanischer Traum, der bei weitem nicht perfekt ist und sogar mit rechtem Gedankengut kompatibel erscheint.

Ein Held in Form des Bösewichts

Ein Fremder erscheint im Königreich und fordert den Thron: Der Afroamerikanische Söldner „Killmonger“ (Michael B. Jordan). Als Sohn eines in Amerika stationierten wakandischen Agenten, erfährt als Kind von diesem Afrikanischen Paradies und fragt sich seither: Wie kann Wakanda nur zusehen, wie weltweit Afrikaner ausgebeutet werden? Er möchte nun Black Panther herausfordern und als neuer König mithilfe von Wakandas Technologie eine weltweite Revolution entfachen. In Killmonger erkennt man eine Marvel-Variante von Malcolm X. Er möchte nicht verhandeln, er sieht keinen Mittelweg, er will eine gewaltsame Revolution. Aber trotz allem, kann man seine Position nachvollziehen. Killmonger repräsentiert die Afrikanische Diaspora, die heute leider oft in geschichtlich geprägten rassischen Kategorien denkt. Er versteht nicht, wie T’Challa nicht für die Menschen einstehen will, die „aussehen wie wir“. T’Challa ist kein Rassist, aber umso mehr ein Nationalist. Für ihn sind die Menschen anderer Länder und Kontinente nicht sein Problem, nicht sein Volk. Ein Schlag ins Gesicht für den Zuschauer, der sich schon eine Auswanderung nach Wakanda ausmalt. Der Zuschauer wird zwar in ein Afrikanisches Traumland mitgenommen, aber naiv darf er nicht sein. Er wird Konfrontiert mit dem, was Afrozentristen seit den 1980ern auszubalancieren versuchen: Nationalismus und Rassismus, Isolation und Offenheit. Die Konflikte zwischen Killmonger und den alteingesessenen Institutionen Wakandas sind spannender als der obligatorische Faustkampf am Ende.

Der Film schafft es, wie selten zuvor, einen Gegenspieler zu erschaffen, dessen Motive so klar und wohldurchdacht sind. Killmonger ist in gewisser Weise ein Revolutionär, wenn auch seine Ziele extremistisch sind. Denn er ist nicht nur für eine Öffnung der Grenzen, sondern eine militärische Intervention. Dennoch ist es bemerkenswert, wie seine Präsens den Zuschauer zwingt, sich zu positionieren. Er stellt das Notwendige Gegengewicht dar, der die aktuelle Denkschule auffordert, sich selbst zu hinterfragen. Der Bösewicht in diesem Film entpuppt sich als der einzige Revolutionär in diesem Film. Und dass er T’Challas Thron durch einen rituellen Kampf anfordert, enblößt ganz nebenbei eine weitere Schattenseite dieses afrikanischen Utopias: Man schaut sich den spannenden Kampf an, fiebert mit und stellt sich die Frage, warum Wakandas Königtum überhaupt nach Expertise im Kampf verliehen wird, statt nach Persönlichkeit und Kompetenz.

Nicht Revolutionär genug

Mit Killmonger hat der Film einen äußerst interessanten Antagonisten, mit einem Gedanken, der leider viel zu selten im Film aufgegriffen und diskutiert wird. Stattdessen verliert er sich immer wieder in Nichtigkeiten. Das Superhelden-Genre braucht Abwechslung. Die liefert Black Panther durch einen Gegenspieler mit einen dichten und nachvollziehbaren Motivation und einem Soundtrack, der unter den üblichen inzwischen monotonen Orchesterkompositionen heraussticht. Allerdings geht die Revolution darüber nicht hinaus. Marvel wirft dem Publikum ein Leckerli zu, um es zum schweigen zu bringen: „Hier habt ihr euren schwarzen Superhelden“, während sich die weißen Studiobosse im Geld der Social Justice Warriors suhlen. Jetzt sind alle zufrieden und man kann weitermachen wie gehabt. Doch es gibt Hoffnung.

Natürlich gab und gibt es viele Schwarze Filmemacher, die politisch relevarente Werke hervorgebracht haben. Denken wir dabei an „Moonlight“, das sogar Homosexualität thematisiert. Allerdings kann ein Drama über einen Drogendealenden Jungen Mann, kein Bild verändern, denn Missstände innerhalb der Afroamerikanischen Gesellschaft sind längst ein Tropus im repertoire Hollywoods. Black Panther hat thematisch eine komplette Kehrtwendung gemacht, aber leider viele Chancen verpasst . Denn außer seiner „Blackness“ bietet der Film kaum etwas, was ihn außerhalb seiner Gewichtsklasse relevant macht. Gegenbeispiel: Jackie Brown, sowohl feministisch wie auch antirassistisch, und darüber hinaus auch ein guter Film. Selbstverständlich ist für junge afroamerikanische Comicfans all das irrelevant. Sie sind froh, endlich eine Identifikationsfigur im Kino zu finden. Und da ist Black Panther ein großer und wichtiger Schritt in die richtige Richtung. Auch wenn sich der Revolutionäre Wert in Grenzen hält, wird sich der kulturelle Wert noch zeigen und vielleicht sogar einen neuen Trend auslösen, der Underground-Filmemachern und Autoren eine neue Chance gibt. Das ist eine Revolution die das Kino bitter notwendig hat und nicht überschätzt werden kann.

Stefan Barjaktarevic

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