„Der hate is‘ real“

Foto: sik-life - pixabay

Das Internet ist nie ein rechtsfreier Raum gewesen. Junge Internutzer glauben vermeintlich, alles im Internet posten zu können, ohne dafür belangt zu werden. Das zeigen die jüngsten Ausmaße dreier Streamer auf der Amazon-Plattform Twitch. Die Zuschauer scheuen selbst vor Mord- und Gewaltandrohungen zurück.

„Ich werde dich vergewaltigen und danach ermorden!“ – so lauten die neuesten Tweets und Chatnachrichten bei der Streamerin Tinkerleo. Wie kam es dazu? In der Computerspieleszene sind sogenannte „Roleplay Server“ der neueste Renner. Die Spieler steigen in die Rolle eines von ihnen entworfenen fiktiven Charakter und spielen in einer fiktiven Welt gemeinsam mit anderen Spielern. Ein Teil der Spieler sind sogenannte „Streamer“ die Live-Übertragungen schalten, welche auf dem Server spielen. Bei einigen dieser Streamer bewegen sich die Zuschauerzahlen zwischen 1000 – 8000 Personen, die live beim Spielen zuschauen.

Drei der bekanntesten Streamer in der Roleplayszene sind Scurrows, Tinkerleo und Shlorox. Vor kurzem eskalierte die Situation zwischen den Parteien Scurrows und Tinkerleo/Shlorox. Grund dafür war der Ausschluss des Streamers Scurrows vom Roleplayserver „Klaerwerk“. Der Grund für den Ausschluss: Fehlende Community-Kontrolle und ständige Beleidigungen von Spielern seitens der Community. Ein Tweet seitens Scurrows brachte die Situation zum überkochen. Der Streamer wollte seinen Zuschauern mitteilen, dass er vom Server gebannt wurde.

Aggressionspotenzial: Ultra

Seit dem Tweet mussten Tinkerleo und Shlorox in Deckung gehen. Morddrohungen der übelsten Sorte wurden zur Regel. Der Streamer Shlorox verkündete die Zahlen von gebannten Zuschauern: Hoher dreistelliger Bereich! Der Streamer beteuerte, jeder dieser bestraften Zuschauer erhält eine Anzeige wegen Morddrohungen. Die Situation eskalierte aber noch weiter: Die Streamerin Tinkerleo erhielt Drohungen, man würde sie vergewaltigen und umbringen. Auch diese Drohungen wurden zur Anzeige gebracht.

Das Aggressionspotenzial der Zuschauer ist maßlos und sie scheuen größtenteils vor nichts zurück. Die Zuschauer sind größtenteils unter 18 Jahre und haben den Bezug zur Realität verloren. Situationen wie diese haben schon einige Streamer
Mittlerweile geistert der Begriff „Internet-Eier haben“ in der Jugendsprache umher. Besonders in den Schulfreien ist die Situation unglaublich anstrengend für die Streamer, die mit ihrem Angebot auf einer Plattform Geld verdienen.

Verantwortung: Community

Die Verantwortung über die Community hat stets der Streamer. Er ist mitverantwortlich für die Reaktionen und Interaktionen der Zuschauer. Sie können beruhigend einwirken oder hetzen. Da die Zuschauer meist hinter der Person stehen, tun die meisten auch das, was der Streamer gebietet. Deswegen ist es notwendig, dass der Streamer bei so einer Situation interveniert.

Der Streamer Scurrows hat nicht genügend interveniert und antwortet mit: „Eine Community gehört niemanden“. In seinem Video beschuldigt er unter anderem Tinkerleo und Shlorox indem er seine Enttäuschung zum Ausdruck bringt. Dieser Reaktion führte zu einer weiteren Überreaktion seitens der Zuschauer. Er nahm also seine Verantwortung nicht genügend wahr, was die Gemüter weiterhin erhitzt. Dabei hätte Scurrows stärker einschreiten sollen. Als großer Streamer, welcher seine eigene Community beeinflussen kann, sollte den Streit schlichten. Wenn nötig sollten sich die drei Streamer zusammentun und klar Stellung Beziehung. Da reicht eine einfache Distanzierung nicht aus.

Communitys – ein Brandherd

Die neuesten Umfragen von Computerzeitschriften lassen einen deutlichen Trend erkennen: Bei Gamestar nehmen die Communitys den Rang 2 der „schlimmsten Dinge im Internet“ ein. Im Vorjahr war das Ergebnis gleich. Beleidigungen und Drohungen im Internet sind schon langem ein Problem. Besonders in Computerspielen oder Stream-Zuschauern ist die Situation oft deutlich schlimmer. Aber auch Facebook reagierte bereits durch den „Abonnieren Button“, durch den man zwar mit einer Person befreundet bleiben kann, aber seine Nachrichten nicht lesen muss.

Der Vorfall Shlorox und Scurrows war nicht der erste. Schon als Shlorox den fiktiven Charakter Scurrows „Bilal Agabey“ getötet hatte, viel der Zorn der Community über ihn herein. Alle Parteien versuchten die Community zu beruhigen. Bis zum Ende des Tages wurden wieder unzählige Communityausschlüsse ausgesprochen.

Vorbild Eltern?

Kinder lernen für gewöhnlich von ihren Vorbildern und Eltern. Auch auf Plattformen wie Facebook ist es zu jeder Zeit möglich seinen Unmut in Form von Beleidigungen kundzutun. Selbst rassistische Äußerungen werden im Social Media selten geahndet, von Mobbing ganz zu schweigen. Vergessen wird dabei oft, dass das Internet kein rechtsfreier Raum ist. Die Beleidigungen gegen eine Person oder rassistische Äußerungen können ebenso zur Anzeige gebracht werden, wie ein Überfall in einem Supermarkt.

Das scheinen nicht nur die jüngeren Nutzer zu übersehen, sondern auch sehr viele Ältere, unter ihnen Eltern. Eine geeignete Diskussionskultur im Internet scheint zu fehlen. Die Jugendlichen schauen sich das ab oder probieren sich schlichtweg aus. Deshalb ist es notwendig, dass die Älteren, und damit sind nicht nur große Streamer gemeint, die Verantwortung übernehmen. Wir müssen Vorbilder sein, damit Menschen im Internet Geld verdienen können, ohne am nächsten Tag Morddrohungen zu erhalten. Die Internetnutzung muss Bestandteil der Erziehung werden.

Alexander


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