Von Kirchen und Menschen

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Die Kirche steht heutzutage wegen ihrer Geschichte im Verruf. Der Kirche wird Rückständigkeit, Verschleierung, Doppelzüngigkeit vorgeworfen. Dabei zeigt Kingdom Come: Deliverance unterschiedliche Facetten der Kirche.

Es ist der 9. Teil der Kingdom Come: Deliverance Serie.

(Vorsicht Spoiler!)

 

In Kingdom Come wird deutlich: Die Kirche ist differenziert zu betrachten. Ob Pfarrer Godwin, der bischöfliche Vikar oder das Benediktinerkloster: Sie zeigen wie unterschiedlich die Kirche im 15. Jahrhundert ist. Tatsächlich sind heutige Vorwürfe gegenüber der Kirche meist unbegründet und teilweise sogar von Historikern des Dritten Reiches geprägt. Wie die Kirche wirklich ist und war, kann gut erarbeitet werden.

Der Pfarrer mit Trunksucht

Eine Person in Kingdom Come: Deliverance hat gezeigt, wie die Kirche war: Einerseits doppelzüngig, andererseits milde. Pater Godwins Lebensstil folgt dem Schema „Wasser predigen, Wein trinken“. Er hat etwas mit Dirnen, betrinkt sich in der Schenke, aber auch ein edles Ziel: Er möchte den Gläubigen die Predigt und den Gottesdienst in ihrer Landessprache darbieten. Das steht im 15. Jahrhundert stark in der Kritik, weil Latein die Sprache der Kirche ist. Das hat eine theologische Begründung. Papst Pius XII. fasste das kurz zusammen:

„Der Gebrauch der lateinischen Sprache, wie er in einem großen Teil der Kirche Geltung hat, ist ein allen erkennbares und schönes Zeichen der Einheit und eine mächtige Schutzwehr gegen jegliche Verderbnis der wahren Lehre“.

Also spricht Pfarrer Godwin gegen alle Regeln der Katholischen Kirche. Jedoch beherzigt er besonders die Nächstenliebe. Er versucht die häretischen Waldenser vor dem bösen bischöflichen Vikar retten. Deswegen bittet er Heinrich um Hilfe. Und trotz nächtlichem Gelages mit Heinrich, geht er am nächsten Morgen in die Kirche und liest die Messe. Momente indem viele Menschen sich krankschreiben würden.

Der bischöfliche Vikar

Die nächste Person gilt als das Übel der Kirche in Kingdom Come: Der bischöfliche Vikar. Er trägt keinen Namen, aber bringt Unruhe in die Spielwelt. Er sucht nach Häretikern, die irgendwo in Uschitze ihr Unwesen treiben. Herr Hanusch ist nicht begeistert, dass jemand in seinem Lehen nach Häretiker sucht. Der bischöfliche Vikar ist wahrlich eine Last, da er in engem Kontakt zum Bischof steht. Einen politischen Disput möchte Hanusch vermeiden, also schickt er Heinrich los.

Am liebsten würde der bischöfliche Vikar alles und jeden vor das Kirchengericht stellen, dass den Namen Gottes leugnet. Kaum wurden die Waldenser gefunden, hat Heinrich die Möglichkeit dem Vikar ihren Standort zu verraten. Damals habe ich gesagt „Die Waldenser müssen gerettet werden“, aber sie wollten nicht. Die sturen Waldenser wollten sich lieber dem Schicksal Gottes überlassen und sterben. Beim Vikar haben wir 3 Antwortmöglichkeiten: Entweder sind die Waldenser Ketzer, eine andere Religion oder unschuldig. Bei ersten beiden sagt er: „Es gibt nur einen Glauben sie müssen verurteilt werden!“, beim letzten sucht er weiter. Die Inquisition ist also nach Uschitze gekommen.

Die verschlossenen Mönche von Sasau

Sobald Heinrich in das Kloster in Sasau schnuppern kann, lernt er die Lebensweise der Mönche kennen. Ora et Labora steht an der Tagesordnung. Der Leitspruch der Mönche „Was will ich in der Welt? Da ist der Himmel genauso blau und die Blätter genauso grün!“. Eine einfache Begründung. Sie wollen nichts mit der Außenwelt zu tun haben und leben in geschlossener Klausur. Was draußen passiert, interessiert die Mönche im Kloster nicht.

Es gibt einzelne Mönche, die draußen arbeiten. Sie sind Mediziner, Verwalter oder Baumeister. Aufnehmen tun die Mönche nur diejenigen, die ein Empfehlungsschreiben haben. Das ist aber nur ein Teil der Wahrheit, denn im Grunde wurden Menschen, die genug für den Eintritt in das Kloster zahlen konnten, ebenso aufgenommen. Auch die jüngsten Söhne und Töchter von Adeligen wurden in das Kloster gesteckt. Sie sollen für das Heil der Familie beten.

Was mir etwas fehlte, waren einige Eigenheiten im Kloster. Adelige hatten immer einen Sonderstatus im Kloster. Wenn Adelige Frauen in ein Frauenkloster eintraten, konnten sie der Äbtissin Befehle erteilen. Das ist in einigen Überlieferungen dokumentiert. Übrigens lebten nicht alle Mönche in strenger Klausur. Neben den normalen Mönchen und Novizen gab es aber auch Oblaten, die bei der Arbeit der Mönche mithalfen und meistens außerhalb des Klosters schliefen.

Kingdom Come: Deliverance zeigt die unterschiedlichen Facetten der Kirche in Form von Priestern oder Mönchen. Daran wird deutlich, dass die Katholische Kirche nicht überall gleich war. Nicht umsonst konnte Jan Hus lange ungestört predigen, bis man ihn dann doch verbrannte. Meist waren es politische Motive, die zur Inquisition führten, da die Angst vor dem Einfluss eines Jan Hus groß war. Das wird deutlich an den Hussitenkriege. Ein Jan Hus verursacht einen riesigen Krieg gegen Sigismund, gemeinsam mit den Adeligen.

Alexander


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