Das Kloster in Sasau

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Eine Quest ermöglicht, mehrere Tage unter Mönchen zu leben und ihrem Tagesablauf zu folgen. Wie genau wurde diese Szenerie bearbeitet und gibt es heute noch gleiche Lebensformen?

Es ist der 8. Teil der Kingdom Come: Deliverance Serie.

(Vorsicht Spoiler!)

 

Ora et Labora – Das ist das Grundprinzip der Benediktinermönche. Beten, Essen, Arbeiten, Beten, Essen, Schlafen. Ungefähr diesen Ablauf hat man auch in Kingdom Come: Deliverance erlebt. Man lebt so lange im Kloster in Sasau, bis man seine Quest abgeschlossen hat. Es gibt einen Prior, Circatoren, Bibliothekare, Mönche und Novizen. Den Abt habe ich zumindest nie zu Gesicht bekommen. Außerdem gibt es einen Schrank von Libri Prohibiti – Verbotenen Büchern.

Genauigkeit ist das Stichwort von Kingdom Come: Deliverance

Das erste Mal in einem Spiel muss ich mich strikt an den Tagesablauf einer Lebensgemeinschaft halten. Wenn ich das nicht tue, hauen mir die sogenannten Circatoren auf die Finger oder sperren mich bei schweren Vergehen in den klostereigenen Knast. Eigentlich besucht man das Kloster nur als Spion von Herrn Radzig Kobyla, um einen ehemaligen Banditen zu finden. Gar nicht so einfach, während man den ganzen Tagesablauf befolgen muss. Man hat nur einen Hinweis: Es ist einer der Novizen. Also muss man weniger schlafen, um das Kloster in nächtlichen Aktionen zu durchsuchen.

Der Tagesablauf gleicht den heutigen Benediktinern. Ora et Labora ist bis heute an der Tagesordnung. Beten – Arbeiten – Beten wird beispielsweise im Kloster Münsterschwarzach bis heute noch gelebt. Wenn man dort für paar Tage bleibt, so wie ich es tat, merkt man recht schnell, dass die Uhren ganz anders ticken können. In Münsterschwarzach wohnen aber Missions-Benediktiner, diese verlassen das Kloster viel häufiger und öffnen ihre Tore für Besucher. Sie leben also nicht in strenger Klausur.

Bibliotheken und verbotene Bücher

Klöster waren und sind dafür bekannt ein Ort des Schreibens und Lesens zu sein. Im Mittelalter wurden besonders in Klöstern Abschriften getätigt oder übersetzt. Beispielsweise sind sämtliche griechische oder arabische Texte von Philosophen in Medizinern im Kloster übersetzt worden. Außerdem wurden wissenschaftliche Texte entworfen, wie z.B. die Mendelsche Regel. Das Kloster war ein Ort der Forschung.

Verbotene Bücher gab es zahlreiche. Besonders magische oder okkultistische Schriften wurden verboten. Weniger jedoch Schriften über die Medizin. Besonders Avicennas Schriften hatten in den Klöstern eine besondere Bedeutung. In der Schule von Salerno wurde die Medizin in besonderem Maße vorangetrieben. Warum es in Kingdom Come: Deliverance verboten ist, erschließt sich mir nicht. Aber es kann sich um eine regionale Verordnung handeln. Denn eigentlich wurden eher Schriften von Häretikern verboten. Beispielsweise Bücher von Martin Luther, Jan Hus und Anderen. Da aber bis zum Jahr 1559 keine einheitliche Regelung, bis auf die eindeutig häretischen Werke von Exkommunizierten, existierte, ist es schwierig zu festzustellen, welche Bücher tatsächlich verboten wurden. Auch der sogenannte Hexenhammer, der eine Einleitung zur Hexenverbrennung bot, wurde von der Kirche verbrannt.

Das Leben im Kloster ist real

In Kingdom Come: Deliverance ist das Klosterleben realistisch dargestellt. Auch das Feeling war real. Kirchlicher Gesang von einem Chor, vor dem Altar stehende Mönche in Gebetshaltung, all das macht das Klosterleben so real. Jeden Moment habe ich gewusst „Du bist im Kloster“. Ich hätte gerne viel mehr Zeit darin verbracht. Würde Kingdom Come: Deliverance einen längeren Zeitraum erzählen, hätte ich mir gewünscht die Möglichkeit zu bekommen, Priester zu werden. Das nicht nur aus eigenen Präferenzen. Der Status als Pfaffe hätte noch mal einen anderen Touch in das Spiel gebracht.

Alexander


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