Vom Schmiedsohn zum Ritter

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Den Weg eines Heinrich von Skalitz zu verfolgen, wie er sich langsam zu einem richtigen Mann mausert, ist eines der größten Features von Kingdom Come: Deliverance. Die Geschichte selbst zu lenken und zu entscheiden, welchen der vielen Wege Heinrich gehen soll, gibt der Story Tiefgang. 

Es ist der 6. Teil der Kingdom Come: Deliverance Serie.

(vorsicht Spoiler!)

 

Die Geschichte beginnt im ruhigen Skalitz. Der Schmied und sein Sohn fertigen ein Schwert für den Herrn von Skalitz – Radzig Kobyla. Als die Kumanen von Sigismund über das kleine Dorf herfielen, flieht Heinrich. In Talmberg angekommen begegnet er Herrn Diwisch, flieht jedoch einen Tag später, um seine Eltern zu begraben. In Skalitz angekommen, überfallen ihn Banditen, nehmen ihm alles, was er hat, bis Ritter aus Talmberg ihn retten. Seine Reise beginnt letztendlich in Rattay, wo er wieder Herrn Radzig wiedersieht. Heinrich steht also vor dem Nichts, möchte sich aber nicht den Bettlern aus Skalitz, die in Rattay Unterschlupf gefunden haben, anschließen.

Das Leben ist hart – besonders im Mittelalter

Heinrich von Skalitz beginnt also seine Reise von Rattay aus. Ohne Kampferfahrung, ohne Geld, ohne Ansehen. Warhorse Games erzählt eine Geschichte, die typisch für das Mittelalter ist. Ein junger Mann, der genug Mut und Glück hat, stellt sich in die Dienste eines Herren, nachdem er sich bewiesen hat. Nach und nach erlangt er Ansehen und kämpft sich durch die Welt. Interessant ist: Er wird nie als Adeliger angesehen, sondern nur als Gemeiner. Sobald er eine bessere Rüstung, Geld und Ehre erhalten hat, sprechen ihn die Menschen als „Herr“ an. Manchmal hört man ein „Hallo Heinrich“.

Historisch ist das Leben eines Heinrich nachweisbar: Ein Gemeiner konnte sich zu einem Rang eines Ritters hocharbeiten. Ritter waren nicht notwendigerweise Adelige, sollten aber die Verhaltensweisen dieser kennen. Manchmal waren sie sogar Sklaven und konnten sich durch ihren Dienst die Freiheit erkaufen. Wenn sie genug Einfluss hatten, konnten sie sogar zu einem mächtigen Verbündeten werden. Der sogenannte „American Dream“ existierte schon im Mittelalter.

In Herrn Diwischs Diensten

Im Laufe des Spiels ist es möglich, für Herr Diwisch Kumanen zu töten. Somit stellt man sich in die Dienste der Herren von Talmberg, einem Freund Radzigs. Dass ein Gemeiner zwei Herren dienen kann, ist in der Geschichte häufig dokumentiert. Wenn die Herren sich gut verstanden und es nicht zu einem Konflikt kam, durfte ein Soldat auch wo anders dienen und Aufträge erfüllen.

Schwierig wurde es nur, wenn die Herren einen Konflikt auszutragen hatten. Auf welche Seite sich der Gemeine dann schlagen sollte durfte er selbst entscheiden. Ob Geld, Ehre oder Überzeugung ihn dazu brachten, sich auf eine Seite zu schlagen, lag an ihm. In einigen Fällen ist historisch überliefert, dass sich ein Soldat sogar aus dem Konflikt heraushielt.

Auf eigene Faust?

Ritter konnten auch auf eigene Faust die Welt erkunden. Sie konnten zur eigenen „Firmen“ werden. Wenn ein Ritter eine große Gefolgschaft versammelte und sie sogar gescheit bezahlen konnte, wurde er zu einem mächtigen Gegner oder Verbündeten eines Herren. Ein Ritter mit einer gescheiten Armee, war eine Bedrohung für jedem Lehnsherrn. Ob Plündern oder Brandschatzen, legt man sich mit so einem Mann an richtet er großen Schaden an.

Deshalb haben Herren versucht recht früh diese Gruppierungen anzuheuern. Es wurden regelrechte Verträge, besonders in Kriegszeiten, ausgehandelt, damit man einen mächtigen Verbündeten an der Seite hat. Um kurz das Thema Piraten anzuschneiden: Auch sogenannte „Piraten“ waren keine Freibeuter. Sie wurden von Städten und ihren Herren angeheuert, um gegen eine feindliche Partei vorzugehen.

Leider ist eine Rekrutierung von Soldaten in Kingdom Come: Deliverance nicht möglich. Vielleicht wäre das ein nettes Feature für einen Kingdom Come: Deliverance Nachfolger. Warhorse Games hat es geschafft, historische Korrektheit mit einem raffinierten Gameplay zu vereinen. Auch wenn hier und da Abstriche in der Historie gemacht werden mussten, damit das Spiel nicht allzu langweilig wird, ist Warhorse Games sehr nah an der historischen Forschung geblieben.

Alexander Radej


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