Pokemon-Kämpfe: Spaß mit Freunden oder brutale Tierkämpfe?

klimkin - pixabay

Die Welt der Pokemon schart viele Fans weltweit und beinahe jeden Alters um sich. Es geht in den Spielen der Hauptreihe darum, sich mit Pokemon anzufreunden und das Band der Freundschaft in Pokemon-Kämpfen zu verstärken. Nebenbei rettet man dabei die Welt vor einem bösen Team von Verbrechern mit der besten Kampfmusik und das mit der Hilfe eines legendären Pokemon, mit dem man sich auch anfreundet. Das ist zumindest, was die Spiele erzählen. Aber stimmt das auch?

Je älter man wird, desto brutaler klingen plötzlich Attacken wie Schlitzer, Zertrümmerer, und Hyperstrahl, die die Pokemon erlernen und auf Befehl ihres Besitzers auf andere Pokemon anwenden können. Und dazu kommt noch die Attacke Explosion, bei der man seinem eigenen Pokemon befiehlt, sich selbst umzubringen und dabei ein anderes Pokemon mit ins Verderben zieht. Sie bekämpfen sich auf Befehl so lange, bis eines von beiden „besiegt“ ist, also keine „KP“, kurz für „Kampfpunkte“ mehr hat.

Die körperliche Qual

Diese Ausdrucksweise klingt nach einem Spiel, nicht nach echten Schmerzen. Bedenkt man aber, dass die „KP“ auf Englisch „HP“, also „Health Points“ heißen und mit Items wie „Heiler“ wiederhergestellt werden, klingt es schon viel eher danach, als würden sich die Pokemon dabei verletzen. Der Zustand, der mit „besiegt“ beschrieben wird, mit einem Item namens „Beleber“ aufgehoben werden. Auch das klingt stark danach, als würde „besiegt“ eher „tot“ implizieren.

Ein Pokemon kann zwar komplett wiederhergestellt werden, aber Schmerzen wird es trotzdem erleiden müssen. Das für einen Trainer in Kauf zu nehmen, um ihn vor wilden Pokemon im hohen Gras zu beschützen, klingt plausibel. Ebenso, um die Welt vor dem bösen Team zu retten. Sie müssen durch diesen Prozess allerdings oft auch durch, weil ihr Trainer sich bei Kämpfen gegen andere Trainer Taschengeld verdienen will. Man sich kaum vorstellen, dass das freiwillig geschieht. Und selbst wenn es freiwillig ist, ist es immer noch verwerflich, dass ein liebender Trainer so etwas ausnutzt.

Es ist in der Pokemon-Welt allerdings Standard, dass das geschieht. Fast jede Stadt hat eine Arena, in der Pokemon-Kämpfe institutionalisiert werden. Die ganze Infrastruktur der Stadt ist meistens um diese Kämpfe herum aufgebaut. Es gibt Läden mit Medizin, ein „Pokemon-Center“, in dem tote Pokemon wiederbelebt werden, und oft auch Läden mit Attacken, die man seinen Pokemon aufzwingen kann. Generell werden sie häufig für die Wirtschaft der Menschen eingesetzt: Sie arbeiten in Bergwerken, Windkraftwerken, und im öffentlichen Transport. Allerdings wird nie erwähnt, dass sie dafür bezahlt würden. Sie tun das für ihre Besitzer.

Die Versklavung

Wie aber kommt man in den Besitz eines Pokemon? Es gibt zwei Möglichkeiten: entweder gibt man zwei von Geschlecht und Gattung her Passende zusammen in die Pension und bekommt auf wundersame Weise ein Ei, oder aber man fängt sie in einem Pokeball. Ersteres klingt dabei wenigstens solange friedlich, bis man von Ditto hört. Was dieses Pokemon kann, ist gruselig und abartig. Sie zu fangen ist allerdings die öfter genutzte Methode, die von Anfang an unfreiwillig klingt. Will man ein Pokemon fangen, muss man es so schwächen, dass es kurz vor dem Tod steht, und es nach Möglichkeit noch paralysieren, vergiften oder verbrennen. Dann kann man einen Ball auf ein Pokemon werfen, in den dieses, wenn es nicht flieht, hineingezogen wird und dann in der Tasche mitgeführt werden kann. Der Ball passt gemütlich in eine Hand und kann Pokemon jeder Größe fangen.

Pokemon in einem Pokeball können dann sogar auf den PC verschoben werden, damit man noch mehr von ihnen fangen und sammeln kann. Man bekommt sogar Preise, wenn man in einer Region alle Pokemon bekämpft oder gefangen hat. Dass ein Pokeball nicht bequem sein kann, sagt einem bereits der Menschenverstand. Einen weiteren Beweis dafür liefert aber auch das Pikachu von Ash aus der Pokemon-Sendung, das sich weigert, in den Pokeball zu schlüpfen Außerdem gibt es gemütliche Bälle, die Luxusbälle, die sehr viel mehr kosten als die normalen. Gemütlichkeit ist also ein Upgrade, das die anderen Bälle nicht haben.

Tierkämpfe in Kinderphantasien

Die Analogie zu brutalen Tierkämpfen, die in den meisten Ländern unserer realen Welt verboten sind, ist dann nicht mehr schwer zu ziehen. Es kommt allerdings noch ein erschwerender Faktor hinzu, wenn man ich ein wenig mit Pokemon auskennt. Sie haben nämlich nicht nur eine ganz andere Macht als Tiere, sie sind auch um einiges entwickelter und intelligenter als die meisten Tiere. Es ist schwer zu glauben, dass ein Pokemon wie Simsala einem Menschen freiwillig gehorchen würde, ebenso wenig wie Arceus, das die Welt erschaffen haben soll. Es muss also unter Zwang geschehen, denn dass ein Pokemon einen Menschen so sehr liebt, dass es sich selbst und seine Art verletzen würde, kann man noch glauben, aber dass eine gesamte Gesellschaft so funktioniert, nicht.

Zusammenfassend ist also zu sagen: Obwohl es innerhalb der Pokemon-Welt anders propagiert wird, leben die Pokemon in Knechtschaft unter den Menschen, und das fällt an vielen Stellen auf. Vielleicht bekommen wir ja eines Tages ein Spiel, in dem sich die Pokemon gegen die Menschheit auflehnen?

Es tut mir leid, wenn ich mit diesem Artikel die Kindheit von manchen ruiniert habe. Einen Trost gibt es: in den Pokemon Ranger Spielen gibt es keine Pokemon-Kämpfe, da läuft alles anders! Da fangen Menschen wild gewordene Pokemon mit einer Art elektrischem Seil ein und können dann ihre Fähigkeiten benutzen um noch mehr Pokemon zu fangen…oh.

Sabrina

(Foto: klimkin – pixabay)

Unterstützen Sie Theophil-Nerds auf Patreon!