Böser Gott und Guter Gott

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Heutzutage ist die Idee von einem „guten Gott“ unumstößlich. Das ist aber eine Idee der Neuzeit. In der Vergangenheit gab es andere Gottesvorstellungen, die meist nichts mit dem „guten“ Gott zu tun haben.

Stell dir vor, du sitzt in deinem Haus in Konstantinopel, Byzanz. Du und deine Freunde ihr seid vollkommen davon überzeugt, dass die Welt jeden Moment untergehen kann. Euer Kaiser verlautbarte, weil es ihm ein Seher vorhergesagt hat: „Wenn jemand durch unser Westtor marschiert, geht die Welt unter.“.

Ihr sitzt also da, spielt von mir aus Backgammon, und hört plötzlich, dass Westeuropäer vom Westen her kommen. Der Untergang ist also nah. Was macht ihr? Na klar! Wir mauern das Westtor zu. Wenn da keiner durchkommt, geht die Welt nicht unter. Logisch! Also mauert ihr das Tor zu und die Kreuzritter gehen einmal um die Burg herum.

Gott ist hier nicht irgendwas Gutes, sondern etwas Zerstörerisches. In diesem Fall war das Ende der Welt abwendbar, aber ist das immer möglich? Diese Idee von einem guten Gott ist relativ neu. Das kann man besonders an der Kunstgeschichte sehen.

Kunst zeigt uns, was Gott war und ist

Betrachtet man die Kunstgeschichte, sehen wir heutzutage häufig abstrakte Gottesbilder. Viele Künstler sind der Meinung „Wenn ich jetzt hier ein paar Striche male, kann sich jeder Gott vorstellen!“. Einige denken sich „Wir malen jetzt mal süße dicke Engel“, am besten haben die noch Pfeil und Bogen dabei. Außerdem gibt es noch diese Bilder von Jesus, wie er ein Schaf um den Hals hängen hat oder sein Herz aus der Brust rausschießt.

Ganz ehrlich, mich wundert es nicht, warum die Menschen sagen „an so einen Gott glaube ich nicht!“. Das Gottesbild im Alten und Neuen Testament, ist ambivalent. Gott ist nicht nur gut, sondern tötet Menschen. Jesus verscheucht die Händler aus dem Tempel oder predigt von Konsequenzen, wenn man nicht an Gott glaubt. Man bedenke seine Kreuzigung, die makaber ist. Noch makaberer ist, dass Menschen ihr Leben für Gott lassen, sie sterben für ihn und er fordert das auch noch. Ganz á la „Verleugne mich nicht, sondern sterb lieber!“

Um zurück auf die Kunst zu kommen: Wenn man sich die ersten Bilder ab dem 6. Jahrhundert anschaut, ist oft die Kreuzigung oder die Auferstehung, inklusive der Wundmale Christi, dargestellt. Auch Folterungen von Heiligen, grausame Engeln mit Schwertern und Schildern, Dämonen die die Menschen in den Abgrund ziehen. All das zeigt die negative Seite Gottes. Verglichen mit der Kunst, die ungefähr seit der Renaissance aufgetaucht ist und fette Engel mit Pfeil und Bogen darstellt, ist die Kunst bis ca. zum 13. Jahrhundert brutal. Aber sie zeigt das, was Gott heute nicht mehr ist: Böse.

Ich möchte eindrücklich sagen: Gott ist nicht nur böse. Er ist auch gut. Letztendlich hat er sich am Kreuz aufgeopfert, so die christliche Vorstellung. Er tröstet, hilft, schützt, liebt. Es ist die Ambivalenz, die entscheidend ist.

Entgegen jeder Moral

Die Kirchen und ihre Gläubigen betonen oft: „Gott ist gut und ohne ihn hätte ich mein Leben nie gemeister.“. Ohne Fragen hat Gott für uns Menschen gute Seiten. Das Problem ist, dass dieses Attribut „Gut“ bei Gott nicht existiert. Gott hat keine Moral. Ob Gott tötet oder hilft, ist für ihn nicht wichtig, weil letztendlich alles auf ihn ausgerichtet ist. Der Tod für Gott führt zu Gott, ob durch ihn selbst oder durch den Menschen. Das Leid war in den frühen Kulturen auch ein Weg zur Erlösung, aber auch zur Selbstdisziplinierung.

Gott hat keine Moral und das sollte klar werden, wenn wir die Religionen betrachten. Er ist nicht gut oder böse. In allen Religionen gibt es positive und negative Aspekte. Wir Menschen machen nur die Taten Gottes nur gut oder böse, indem wir sie bewerten. Gott in Kategorien zu pressen, wird ihm nicht gerecht. Wir können Gott nicht steuern und wir können ihn nicht beschreiben. Ganz nach Dionysius Areopagita: „Wir können eher sagen was Gott nicht ist, als das was er ist.“ Wenn wir sagen könnten was oder wer Gott ist, hätte Freud und co. recht: Gott ist eine Projektion unserer Sehnsüchte.

Theodizee war gestern

Wenn wir Gott nicht bewerten, stellt sich auch die Theodizee-Frage nicht mehr. „Wenn Gott gut ist, bringt er keine Menschen um!“. Totaler Quatsch. Gott bringt Menschen um, weil es egal ist. Nur weil irgendwelche modernen weichgepuderte Menschen auf die Idee kommen, den lieben, lieben Gott darzustellen, und zu sagen „Gott ist gut!“, heißt es nicht, dass es so ist. Das Problem dabei ist die Überhöhung dieses „Guten Gottes“ oder „Schlechten Gottes“. Deswegen ist es, besser Gott als neutrales Wesen zu sehen. Ganz nach dem Griechischen „to on“ – er ist „der Seiende“.

Der Zweifel des Menschen entsteht weil man die Taten Gottes bewertet. Ja, der Mensch lebt von seiner Moral. Sie ist ein wichtiges Merkmal und ist für die Evolution ein fester Bestandteil. Ohne ihn würden wir Menschen nicht existieren, weil wir alle ins Messer springen würden, weil wir diese Tat nicht mit „schlecht“ bewerten würden. Gott werden wir aber mit dieser Kategorisierung nicht gerecht. Er stellt sich über unsere Moral.

Alexander Radej

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