Crowd-Working ist Teil des Arbeitsmarktes

Unter Crowdworking versteht man die selbständige Arbeit an einem Projekt, gemeinsam mit zuvor unbekannten Partnern. Aufträge zu diesen Projekten werden von Firmen ausgeschrieben und der Crowdworker erhält sie im Internet unter Domains, wie beispielsweise freelancer.com. Nimmt der Selbstständige die Aufgabe an, ist er dazu verpflichtet, den Auftrag für einen bestimmten Betrag und in einer bestimmten Zeit zu bearbeiten. Besonders gefragt sind Redaktions- und Programmierarbeiten, ebenfalls Grafikdesign. Die Selbständigen, die Aufträge ausführen, haben nicht genügend Sicherheit, dass sie das vereinbarte Honorar erhalten, wenn die Firma im Ausland ihren Sitz hat. Weiter besteht die reale Gefahr des Lohndumpings. Eine Tagung im Franz Hitze Haus in Münster vom 19.-20.9.16 war dem Thema „Crowdworking und Gerechtigkeit auf dem Arbeitsmarkt“ gewidmet.

Die Die Diskussion über das „Crowdworking“ sollte im Kontext vieler unterschiedlicher Fachrichtungen stattfinden, da es sich um ein neues und schnell wachsendes Phänomen in der Arbeitswelt handelt, zu dem noch keine wirksamen Richtlinien entwickelt wurden. Die Tagung gehört in die Reihe „Sozialethik konkret“ und sollte das Problem und die Folgen der digitalisierten Arbeitswelt behandeln. Zum Vortrag eingeladen waren Vertreter unterschiedlicher wissenschaftlicher, politischer und wirtschaftlicher Richtungen. Wachsende Arbeitsvergabe über Internetplattformen.

Michael Sendker, Mitarbeiter am Institut für ökonomische Bildung an der Universität Münster, sagt, dass der „…deutsche Arbeitsmarkt hohe Eintrittsbarrieren hat. Das hat der online-Arbeitsmarkt nicht.“
Die Zahl der Crowdworker steigt stetig an. Robert Stein MdL von der CDU-Landtagsfraktion beschreibt, dass das Crowdworking kein Randphänomen mehr sei. „Wir haben einen siebenstelligen Anteil an Menschen in Deutschland, die sich dem Phänomen widmen und crowdworken.“ sagt Stein.

Anwendung des Arbeitsrechts       

Viele der Firmen, wie z.B. freelancer.com, haben ihren Standort außerhalb Europas. Probleme können beim Arbeitsrecht entstehen, da sich dieses in den Staaten unterscheidet. Ein weiteres Problem entsteht, wenn Aufträge seitens der Auftraggeber nicht bezahlt werden. Es gibt kein internationales Gericht, welches eine Bezahlung der Crowdworker gewährleisten kann. „Die Herausforderungen regulatorischer Art sind nicht rein national zu lösen. Digitalisierung, und somit Crowdworking, ist ein globales Problem und somit müssen wir eine internationale Lösung finden.“ so das Mitglied der Landtagsfraktion der CDU, Stein.
Die Sorge besteht, dass wenn das Crowdworking nicht zugunsten der Arbeiter reguliert wird, „ein Sozialdumping und ein Wettkampf nach unten entsteht.“, so der IG-Metall Vorstand Robert Fuß. Weiterhin sagt er: „Das Interesse der IG-Metall am Crowdworking ist, dass ein neues Phänomen entsteht, welches dazu führt, dass auch deutsche Stammarbeitsplätze gefährdet werden. Das wollen wir nicht, sondern wir wollen anständige Bedingungen für Crowdwork.“

Neue Arbeitsformen mit der Chance zur Selbstverwirklichung

Crowdworking dient insbesondere Studenten und junge Erwachsene als Möglichkeit, einen kleinen Nebenverdienst zu erwerben. Besonders wenn „einige Skills mitgebracht werden, kann ich damit nettes Geld verdienen.“ so Michael Sendker.
Crowdworking dient aber nicht nur dem Geldverdienen. Viele Crowdworker nutzen die Arbeit als Selbstverwirklichung. Gleicher Meinung ist auch Prof. Dr. Filipovic von der Hochschule für Philosophie in München: „Die christliche Perspektive ist, dass das Crowdworking eine personale Dimension hat und der Selbstverwirklichung des Einzelnen dient.“

Alexander

Unterstützen Sie Theophil-Nerds auf Patreon!